Logistik-Glossar: TAS, YMS und Werkslogistik einfach erklärt
Von Avisierung bis Yard Management — die 25 wichtigsten Begriffe rund um Truck Appointment Systems, Hoflogistik und Fahrer-Kommunikation. Aktuell, neutral und praxisnah erklärt.
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A: Avisierung · Anlieferpunkt · Audit-Trail
C: Carrier · Carrier-Onboarding · Check-in
D: DAP / DDP / FCA · Disposition · Dock Scheduling · DSGVO Fahrer-Kommunikation
F: FCA · Frachtenbörse
M: Magic Link
S: Slot-Booking · Spediteur-Avisierung · Standgeld · Standzeit
T: TAS · TMS · Trailer Yard
A
Avisierung
Definition: Die vorab erfolgende Ankündigung einer Anlieferung oder Abholung durch den Spediteur an das Werk bzw. den Empfänger. Klassisch per E-Mail oder Telefon, heute zunehmend über digitale Slot-Booking-Systeme.
Kontext: Avisierung ist der erste Schritt im Zeitfenstermanagement. Wer Avisierungen disziplinieren kann (z.B. Pflicht zur Buchung 24h vorab), reduziert Wartezeiten am Werk um 30-50%.
Verwandt: Slot-Booking, Zeitfenstermanagement
Anlieferpunkt
Definition: Konkreter Standort innerhalb des Werks (Rampe, Halle, Tor), an dem die Anlieferung erfolgen soll.
Kontext: Moderne YMS verwalten Anlieferpunkte als Ressource — d.h. ein Slot wird nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich (welche Rampe?) zugewiesen. Wichtig bei Werken mit unterschiedlichen Warengruppen (Kühl-, Trocken-, Gefahrgut).
Verwandt: Dock Scheduling, Slot-Booking
Audit-Trail
Definition: Lückenlose, manipulationssichere Aufzeichnung aller Vorgänge in einem System (wer hat was wann geändert).
Kontext: Bei Standgeld-Streitigkeiten zwischen Werk und Spediteur entscheidet der Audit-Trail. Wer einen YMS-Trail mit Zeitstempeln auf Tor-Einfahrt, Rampen-Andock, Beladung, Tor-Ausfahrt hat, kann Forderungen sauber belegen. Compliance-Trigger besonders im Lebensmittel-, Pharma- und Chemie-Bereich.
Verwandt: Standzeit, DSGVO Fahrer-Kommunikation
C
Carrier
Definition: Englischer Sammelbegriff für Transportdienstleister (Spediteur, Frachtführer, Subunternehmer). In der DACH-Praxis oft synonym zu „Spediteur“ verwendet, technisch enger gefasst.
Kontext: „Carrier-First“-Strategien fokussieren auf die Spediteur-Beziehung (Onboarding, Self-Service-Portal, Performance-Tracking) — Voraussetzung für jedes Slot-Booking-System.
Verwandt: Carrier-Onboarding, Spediteur-Avisierung
Carrier-Onboarding
Definition: Prozess, durch den ein neuer Spediteur oder Fahrer in das digitale System des Werks aufgenommen wird (Stammdaten, Berechtigungen, Schulung).
Kontext: Klassischer Engpass jeder YMS-Einführung. Bei Lösungen mit App-Pflicht liegt die Adoption-Rate bei 50-70%, bei App-losen Magic-Link-Ansätzen typisch über 90%. Hauptursache: Fremdfahrer wollen für jedes Werk keine neue App installieren.
Verwandt: Magic Link, Carrier
Check-in
Definition: Anmeldung des Fahrers bei Ankunft am Werks-Gate. Kann manuell (Pförtner), per Self-Service-Terminal oder per Smartphone-Link erfolgen.
Kontext: Digitale Check-ins reduzieren Pförtner-Aufwand und schaffen exakte Ankunftszeit-Stempel für die Standzeit-Berechnung. Bei mehrsprachigen Fahrern entscheidend: dass der Check-in-Dialog in der Muttersprache verfügbar ist.
Verwandt: Gate Management, Magic Link
D
DAP / DDP / FCA (Incoterms)
Definition: Internationale Handelsklauseln der ICC, die regeln, wer wann welche Verantwortung und Kosten im Lieferprozess trägt.
FCA (Free Carrier): Verkäufer übergibt Ware an Frachtführer am vereinbarten Ort, danach geht Risiko über.
DAP (Delivered at Place): Verkäufer liefert bis zum benannten Ort, Käufer übernimmt Entladung.
DDP (Delivered Duty Paid): Verkäufer trägt alle Kosten inkl. Zoll bis Lieferort.
Kontext: Für Inbound-Slot-Booking ist FCA das spannende Setup, weil der Käufer (Werk) den Carrier auswählt und damit auch das Zeitfenster steuern kann. Bei DAP wählt der Verkäufer den Carrier — Slot-Disziplin schwieriger.
Disposition
Definition: Planungs- und Steuerungstätigkeit, die Transporte, Fahrer und Fahrzeuge zuordnet.
Kontext: Disponenten sind die Hauptnutzer von YMS und TAS. Ihr ROI-Hebel: weniger Telefonanrufe, kürzere Reaktionszeiten, bessere Übersicht über laufende Touren. Heylog-Kunden berichten typisch 30-50% weniger eingehende Anrufe nach 4-8 Wochen Live-Betrieb.
Verwandt: TMS, Frachtenbörse
Dock Scheduling
Definition: Zuweisung von Rampen und Andock-Zeitfenstern, oft als Sub-Modul eines YMS.
Kontext: Bei Werken mit 10+ Rampen lohnt sich automatisierte Dock-Zuweisung nach Regeln (Warengruppe, Spediteur-Pool, Equipment). Ohne Software wird das händisch im Excel verwaltet — Fehleranfälligkeit hoch.
Verwandt: Slot-Booking, YMS
DSGVO und Fahrer-Kommunikation
Definition: Die Anforderungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung an die Verarbeitung personenbezogener Daten von Fahrern (Telefonnummer, Standort, Kommunikationsverlauf).
Kontext: WhatsApp auf Disponenten-Privat-Handys ist heute das größte unausgesprochene DSGVO-Risiko der DACH-Werkslogistik: keine AV mit Meta, keine Trennung privat/dienstlich, keine Doku. Saubere Lösungen sind WhatsApp Business API mit BSP-Partner (teuer, komplex), eigene Fahrer-App (Adoption-Problem) oder Magic-Link-Ansätze (von Heylog populär gemacht).
Verwandt: Magic Link, Audit-Trail
F
FCA (Free Carrier)
Definition: Siehe DAP / DDP / FCA (Incoterms).
Frachtenbörse
Definition: Online-Marktplatz, auf dem Verlader Frachten ausschreiben und Spediteure darauf bieten können.
Kontext: Die großen drei in Europa: Timocom, Trans.eu, Teleroute. Frachtenbörsen lösen kein Yard-Management-Problem — sie regeln nur die Carrier-Auswahl. Wenn der spontan gebuchte Spot-Carrier dann ohne Slot am Werk auftaucht, beginnt das eigentliche Problem.
Verwandt: Carrier, Disposition
G
Gate Management
Definition: Steuerung und Dokumentation aller Fahrzeugbewegungen am Werks-Gate (Einfahrt + Ausfahrt).
Kontext: Kerndatenquelle für jedes YMS: Tor-Stempel definieren die Standzeit. Moderne Lösungen kombinieren Pförtner-Erfassung mit Kennzeichen-Erkennung (LPR) oder Self-Service-Apps für höhere Datenqualität.
H
Hofmanagement
Definition: Deutsche Bezeichnung für Yard Management — die Verwaltung und Steuerung aller Fahrzeugbewegungen auf dem Werksgelände.
Kontext: Im DACH-Mittelstand werden „Hofmanagement“, „Yard Management“ und teils „Werks-Logistik“ synonym verwendet. Suchvolumen verteilt sich: „yard management“ tendenziell IT-Käufer/internationale Konzerne, „Hofmanagement“ eher Werkleiter/DACH-Mittelstand. Mehr dazu auf unserer Seite Hofmanagement-Software für die Industrie.
Verwandt: YMS, Zeitfenstermanagement
M
Magic Link
Definition: Ein einmaliger, personalisierter URL-Link, der ohne Konto-Anlage und ohne App-Installation Zugang zu einer Anwendung gewährt. Klick → Browser-basierte Web-Ansicht.
Kontext: In der Fahrer-Kommunikation der entscheidende UX-Vorteil. Fahrer bekommt SMS oder WhatsApp mit Link → klickt → sieht sein Zeitfenster, Anweisungen und kann zurückschreiben. Keine Installation, keine Schulung, mehrsprachig. Von Heylog im DACH-Markt populär gemacht, mittlerweile von mehreren Wettbewerbern adaptiert.
Verwandt: Carrier-Onboarding, DSGVO Fahrer-Kommunikation
S
Slot-Booking
Definition: Reservierung eines konkreten Zeitfensters (Slot) für eine Anlieferung oder Abholung, typisch in 15-60-Minuten-Schritten.
Kontext: Kern eines jeden TAS. Slot-Booking funktioniert nur mit Spediteur-Disziplin (Pflicht zur Buchung), sonst entsteht eine Mischung aus geplanten und ungeplanten Anlieferungen — der schlechteste aller Zustände. Erfolgsfaktor ist meist nicht die Software, sondern das Change-Management mit den Spediteuren. Praktische Umsetzung: Zeitfenstermanagement mit WhatsApp-Anbindung.
Verwandt: Avisierung, Zeitfenstermanagement, TAS
Spediteur-Avisierung
Definition: Avisierung speziell durch den Spediteur (im Gegensatz zur Avisierung durch Versender oder Empfänger).
Kontext: Klassischer Sollbruchpunkt — wenn der Verlader das Werk avisieren muss, der Spediteur aber unabhängig kommt, entstehen Doppel-Datenflüsse und Inkonsistenzen. Moderne Lösungen lassen den Spediteur direkt buchen und avisieren in einem Schritt.
Verwandt: Avisierung, Carrier
Standgeld
Definition: Gebühr, die ein Spediteur dem Verlader berechnet, wenn der LKW über die vereinbarte Wartezeit hinaus am Werk steht (typisch nach 2-4 Stunden).
Kontext: Marktüblich 30-80 €/Stunde laut Branchenmittel, regional und nach Equipment stark variabel. Ohne sauberen Audit-Trail (Tor-In, Tor-Out, Rampen-Stempel) sind Standgeld-Forderungen schwer durchsetzbar bzw. abwehrbar — daher ist die digitale Zeitstempelung der primäre ROI-Hebel jedes YMS. Eigene Kosten überschlagen mit unserem Hofkosten-Rechner.
Verwandt: Standzeit, Audit-Trail
Standzeit
Definition: Die Gesamtdauer, die ein LKW am Werk verbringt — vom Einfahrt-Stempel am Tor bis zum Ausfahrt-Stempel.
Kontext: KPI Nummer 1 in der Werkslogistik. Branchen-Benchmarks: gut <90 Minuten, durchschnittlich 90-180 Minuten, schlecht >180 Minuten. Reduktion um 30-60 Minuten/LKW ist der häufigste TAS/YMS-ROI-Case.
T
TAS (Truck Appointment System)
Definition: System zur Vorab-Buchung von LKW-Zeitfenstern am Werk. Englischer Standardbegriff für das, was im Deutschen „Zeitfenstermanagement“ heißt.
Kontext: TAS und YMS werden zunehmend in einer Plattform gebündelt, sind aber konzeptionell unterschiedlich: TAS wirkt vor der Ankunft (Buchung), YMS wirkt während der Anwesenheit (Steuerung auf dem Gelände).
Verwandt: Zeitfenstermanagement, YMS
TMS (Transport Management System)
Definition: System zur Planung, Durchführung und Abrechnung von Transporten — Touren-Optimierung, Carrier-Bidding, Frachtkostenkontrolle.
Kontext: TMS und YMS sind benachbarte, aber getrennte Welten. TMS-Spieler sind Transporeon, Shippeo, SAP TM, Oracle OTM. YMS arbeiten an der Werks-Grenze und beginnen, wo der TMS-Auftrag beim Werk ankommt.
Verwandt: YMS, Disposition
Trailer Yard
Definition: Bereich des Werks-Geländes, in dem Auflieger (Trailer) abgestellt und verwaltet werden.
Kontext: Komplexere Yards mit hoher Trailer-Anzahl (z.B. Automotive, Möbel-Industrie) brauchen spezielle Trailer-Tracking-Funktionen: welcher Trailer steht wo, wer ist Besitzer, wann wurde er angeliefert. Hier zeigen klassische YMS wie Peripass ihre funktionale Tiefe.
Verwandt: YMS, Hofmanagement
W
Wartezeit
Definition: Zeitspanne zwischen Ankunft des LKW am Werks-Gate und tatsächlichem Andocken an der Rampe.
Kontext: Untermenge der Standzeit, oft der Kosten-Treiber. Wartezeit-Reduktion ist das primäre Marketing-Argument der meisten TAS-Anbieter. Realistische Reduktion durch Slot-Booking: 30-60% in 3-6 Monaten Live-Betrieb.
Verwandt: Standzeit, Slot-Booking
WMS (Warehouse Management System)
Definition: System zur Verwaltung der internen Lagerprozesse — Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Versand.
Kontext: WMS hört in der Regel an der Lagerwand auf, YMS beginnt davor (auf dem Hof). Integrations-Schnittstellen WMS ↔ YMS sind zunehmend Standard, weil ein zeitgenauer Wareneingang nur funktioniert, wenn beide Systeme synchron sind.
Verwandt: YMS, Dock Scheduling
Y
Yard Management System (YMS)
Definition: Software zur Verwaltung und Steuerung aller Fahrzeugbewegungen auf einem Werksgelände — von Tor-Einfahrt bis Tor-Ausfahrt.
Kontext: Kernfunktionen: Gate Management, Slot-Vergabe, Rampen-Zuweisung, Standzeit-Tracking, Trailer-Pool-Verwaltung, Disponenten-Dashboard. Wichtige Player im DACH: Heylog (mittelstandstauglich, App-los), Peripass (funktionale Tiefe), GoRamp (slot-zentriert), myleo/dsc, SAP Yard Logistics, Blue Yonder, leogistics. Mehr dazu: Yard Management Software für die Industrie.
Verwandt: TAS, Hofmanagement, Dock Scheduling
Z
Zeitfenstermanagement
Definition: Deutscher Standardbegriff für Truck Appointment System. Verwaltung der Vorab-Buchung von Anliefer- und Abhol-Zeitfenstern.
Kontext: Im DACH-Suchvolumen der relevantere Begriff als „TAS“. Wer auf „Zeitfenstermanagement“ rankt, erreicht den deutschsprachigen Werkleiter / Logistikleiter. Wer auf „TAS“ oder „Slot-Booking“ rankt, erreicht eher die internationale IT- und Beratungs-Welt. Heylog-Implementierung: Zeitfenstermanagement mit WhatsApp-Anbindung.
Verwandt: TAS, Slot-Booking, Avisierung
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